Wärmeverluste von Wohnhäusern fotografieren

von Wolfgang Naumer

Wärmebilder von Häusern sind ein sinnvolles Werkzeug für die Gebäudesanierung. Die thermografischen Aufnahmen zeigen auf einen Blick und in Farbe, wie hoch die Wärmeverluste von Fassade, Fenstern und Dach sind. „Hauseigentümer erhalten dadurch eine erste Orientierung über die Dringlichkeit einer energetischen Sanierung. Aber auch die Qualität der Arbeiten am Abschluss einer Sanierung kann so geprüft werden“, erklärt Petra Hegen von Zukunft Altbau, dem vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderten Informationsprogramm rund um die energetische Sanierung. Bedingung für eine Thermografieaufnahme sind Außentemperaturen von unter fünf Grad Celsius. Auch sollten die Aufnahmen von Fachleuten gemacht werden. Sie kennen die vielen Fehlerquellen und können sie vermeiden.

Am besten sei eine Thermografieaufnahme im Kontext eines Sanierungskonzepts, so Hegen weiter. Die Thermografie könne die energetischen Schwachstellen der Dämmung aufzeigen, jedoch nicht, wie sie behoben werden. Eine Gebäudeenergieberatung sei im Anschluss an die Thermografie daher oft der nächste sinnvolle Schritt.

Neutrale Informationen gibt es auch unter www.zukunftaltbau.de.

Die Mängel der Gebäudedämmung auf einen Blick

Bei thermografischen Aufnahmen müssen Gebäude Farbe bekennen (s. Kasten). Möglich sind eine Außen- und eine Innenthermografie, ideal ist eine Kombination aus beidem. Bekannt ist besonders die Außenthermografie: Sie stellt in rot, orange und gelb dar, welche Stellen des Gebäudes hohe Wärmeverluste und einen entsprechenden Sanierungsbedarf aufweisen. Grün und blau zeigen an, dass eher wenig Wärme nach außen dringt. Bei der Innenthermografie ist es umgekehrt: Ist die Farbe dunkel, ist das Bauteil kalt und sanierungsbedürftig und entsprechend schlecht gedämmt. Schlecht gedämmte Wände unterliegen einem höheren Schimmelrisiko und verschlechtern den Wohnkomfort.

Das Anfertigen der Wärmebildfotos und ihre Interpretation sollte von speziell ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden, rät auch Hermann Dannecker vom Deutschen Energieberater-Netzwerk (DEN) „Hier kann man vieles falsch machen.“ Eine Thermografieaufnahme werde grundsätzlich nur in der Heizperiode zwischen November und März durchgeführt. Das Gebäude müsse zudem gut beheizt sein, die Aufnahmen eher am späten Abend oder nachts, bei kalter trockener Witterung, erfolgen.

Auch die Auswertung ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, gibt Dannecker zu bedenken. „Thermografiefotos sind nicht selbsterklärend.“ Kenntnisse über Messtechnik, Baukonstruktion und Bauphysik seien nötig, um die Schwachstellen vollumfänglich erkennen zu können.

Auch aus finanziellen Gründen lohnt es sich nicht, eine Thermografie selbst durchzuführen: Taugliche Thermografie-Kameras kosten einen vier- bis fünfstelligen Betrag – 2.000 bis 15.000 Euro. Da Hauseigentümer die Geräte in der Regel nur einmal nutzen, sind Wärmebildfotos von einem Fachmann deutlich günstiger. Hier schlagen nur 250 bis 400 Euro zu Buche.

Sinnvoll ist die Thermografie nur im Kontext eines Sanierungskonzepts

Bedenken sollten Hauseigentümer außerdem Folgendes: Wärmebilder sind  idealerweise die erste Stufe einer unabhängigen Gebäudeenergieberatung. „Die Fotos sagen uns nicht, was wir tun sollen, sie zeigen nur die Defizite der Gebäudehülle auf“, so Petra Hegen von Zukunft Altbau. Welche Sanierungsschritte wirklich nötig sind und in welcher Reihenfolge, könnte nur nach einer individuellen Analyse eines Bauexperten oder einer Bauexpertin festgelegt werden. Gut ausgebildet für diese Dienstleistung sind qualifizierte Gebäudeenergieberater: Sie analysieren den Zustand des Hauses vom Keller bis zum Dach, schlagen ein sinnvolles Gesamtkonzept oder Einzelschritte zur energetischen Ertüchtigung vor. Weiterhin zeigen Sie Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten auf.

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